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Seit August
2004 reite ich in der Hípica (=Reitschule) Catarinense. Mein Professor
Elinho fragte mich seit dem jeden Monat, ob ich nicht mal ein Turnier
mitreiten möchte. Ich sagte dreimal zu und dreimal wieder ab, denn Rio de
Janeiro, Foz do Iguaçu und São Paulo wollten
besucht werden und reiten kann ich ja schließlich auch daheim.

Jetzt war es mal wieder so weit. Er stellte
mir die rhetorische Frage, aber diesmal gab ich ihm mein Wort: "Ich reite
mit!". Er schaute mich noch etwas ungläubig an, als ich wissen wollte, was
ich alles an Ausrüstung brauchen würde um teilnehmen zu können. Dann
freundete er sich langsam mit dem Gedanken an, dass ich es diesmal ernst
gemeint hatte und keinen Rückzieher machen würde.
Nun war es nur so, dass er mich erst
anderthalb Wochen vor dem Turnier fragen konnte, da ich vorher durch
meinen beim Surfen geprellten Fuß fehlte. Jetzt stand noch die Frage im
Raum, wann wir trainieren, die war leicht zu beantworten, denn ich hatte
nur noch ein Mal Unterricht bis dahin. Als ich dann allerdings zum
"Training" kam standen auf dem riesigen Springplatz nur noch zwei Sprünge.
Was war passiert? Wegen einer Veranstaltung am Wochenende hatte sich die Hípica Sprünge von auswärts geliehen und die wurden
an diesem Tag gerade abgebaut.
So versuchte ich also mein bestes die beiden Sprünge kurz vor Ende der
Stunde zu nutzen. Mir wurde Angst und Bange als mein Pferdchen
immer mal die Handbremse einlegte und den Sprung verweigerte, ansonsten
lief es ganz gut. Nach der Stunde sagte mir Elinho, also wenn ich es
schaffe Bonita zum Springen zu bewegen, dann würde ich auch mit allen
anderen Pferd zurechtkommen. Die Stute Bonita springt wohl sonst nicht! -
und das sagt er mir danach!!!
 Es
wurde ernst, ein Wochenende im Zeichen des Pferdesports - also ganz nach
dem Motto auf dem Rücken der Pferde liegt das Glück dieser Erde. Samstag morgen um 7.30Uhr konnte ich mir den ersten Eindruck vom
Gelände der Hípca der Polícia Militar in São José, dem Vorort von
Florianópolis, machen. Ich vergass bis jetzt zu erwähnen, dass der Veranstalter des
Turniers die Polícia Militar, also die berittene Militär Polizei, war. Was
es doppelt so spannend machte, zumindest für Sebastian. Die Stallungen und
die Reitplätze waren mehr als gut gepflegt. Beste Ausgangsbedingungen für
ein campeonato de hipismo (Springturnier) der Spitzenklasse.
Mit 20-25 anderen war ich für die Sprunghöhe 80cm gemeldet. Samstag und
Sonntag mussten wir jeweils einen Parcours von 8 Sprüngen bestreiten, an
welchen am Sonntag gleich der "Stechparcours" von Sprung 9 bis 14
gekoppelt war. Wer beide Tage keine Fehler durch Abwurf einer Stange oder
Verweigerung auf seinem Konto hatte, nahm automatisch am Stechen teil. Das
hieß nach Sprung 8 einfach weiter reiten und die folgenden 5 Sprünge in der schnellst
möglichen Zeit absolvieren.
8.30Uhr wurde
jeweils zur
Parcoursbesichtigung gerufen und alle, ob groß
oder klein staksten über dem Platz immer dem Reitlehrer hinterher, der die
besten Tipps für einen jeden bereit hielt. Am Samstag waren 8 Sprünge zu bewältigen, davon eine Kombination. D ie Bahn war
sehr einfach, fast nur Diagonalen mit anschließenden Handwechseln, damit
die Soldaten auch eine Chance gegen die ganzen jungen Hüpfer hatten.
Für den Burschen mit dem Schimmel hier lief es am ersten Tag schon mal
nicht so gut. Nach dem ersten Sprung haute sein Pferdchen die Notbremse
rein und verweigerte 2mal, so dass der stolze Soldat fürs erste
ausscheiden musste. Am Sonntag lief es dann schon besser, aber das Stechen
durfte er wegen des schlechten Abschneidens am Vortag nicht reiten.

Ich
startete am Samstag als Nummer 17. 5-10 Minuten bevor es in den Parcours
ging, durfte ich mich mit meinem überlangen und
riesigen Patrick (Hiermit sei auch gleich
sein artfremder Namensfetter gegrüßt!), den mein Reitlehrer für
mich festgelegt hatte,
vertraut machen. Das manövrieren dieses
"Ungetüms"
fiel mir etwas schwer
und nahm meine ganze
Konzentration in Anspruch. Ich
sah schwarz
die
Kurven bewältigen zu können. Auf dem Abreiteplatz
testete ich zweimal seine Start-, Flug- und Landeeigenschaften und
beurteilte sie für gut. Allerdings gelang es mir nicht meinen Sitz unter
Kontrolle zu
bringen. Den Parcours absolvierte ich ohne
Fehler, in einer miesen Haltung und einer für mich ewig vorkommenden Zeit.
Von ferne hörte ich meinen Reitlehrer immer "Gaaalopp!!! Gaaalopp!!!"
brüllen, aber die 500 kg unter mir bekam ich nicht so richtig in Gang.

Angela
und Delmo sind kurz vor meinem Start
von Sebastian eingeflogen wurden und
sahen sich das ganze Geschehen mit an. Sie
zollten
mir
Respekt mich freiwillig auf so einen
Riesengaul
zu setzten. Leider war ich mit meiner
Leistung ganz und gar nicht zufrieden.
So machten wir uns nach der Teilnehmermedaillenübergabe schnell aus dem
Staub.


Am Sonntag war 8.30Uhr wieder Parcoursbesichtigung
angesagt. Diesmal war er richtig geschickt gestaltet worden. Eine
Herausforderung für jeden Jungreiter und Soldaten. Von der Rangliste
konnte ich entnehmen, dass ich am Vortag doch gar nicht so schlecht
abgeschnitten hatte - Platz 6. Hätte ich nie gedacht! Mir ging gleich
durch den Kopf: "Na, das kannste
aber besser und vor allem schneller!", und diesen Gedanken setzte ich dann
auch in die Tat um.
Ich durfte mir den Patrick selbst abreiten, konnte
mich also schon etwas mehr mit ihm anfreunden. Als es in den Parcours
ging,
war
es wirklich klasse. Ich konnte mich voll auf Sitz und Pferd konzentrieren
und war nicht all zu nervös. Ich hörte wie mich der Fanblock von der
Reitschule, sowie Sebastian und Wagner, zwischen den Sprüngen anfeuerten und da viel es mir leicht meinem
Pferdchen Beine zu machen. Es war fantastisch!!!



Nach Sprung 8 ertönte keine Klingel. Das war mein
Zeichen nun alles zu geben. Automatisch befand ich mich jetzt im Stechen,
somit ging es gleich mit Sprung 9 weiter. Ich setzte alles daran die
letzten 5 Sprünge auf dem kürzesten Weg, also so schnell wie möglich und
natürlich ohne Fehler zu meistern. Als nach dem Zielspurt eine
Fanfarenmusik ertönte, wusste ich, dass ich nicht so schlecht gewesen sein
konnte. Dass ich damit vorerst den ersten Platz inne hatte, wusste ich
nicht. Erst als der Sprecher nach 5 weiteren Startern die vorläufige
Rangfolge ansagte. Vergewisserte ich mich meiner Führung. Nun fing für
Wagner, Sebastian und natürlich für mich das Bibbern an.
 

8 Starter
standen noch aus, aber keiner schaffte es meine Zeit zu toppen. Nun stand
die Siegerin fest.
 Direkt
nach der Prüfung gab es für alle eine Teilnehmermedaille. Mir wurde diese
von Wagner meinem Freund aus Salvador, Bahia, übergeben.

 Dann
begann die nächste Prüfung mit 90 cm Sprunghöhe, an der meine Freundin
Isabel, kurz Belinha, teilnahm .
Da
zu Hause die Ausarbeitung von 2 Vorträgen für die nächste Woche auf mich
warteten, wollten wir fast schon nach Hause fahren. Ich fragte, allerdings
noch mal meinen Reitlehrer, ob es noch eine Siegerehrung geben würde. Er
schaute mich komisch an und sagte, "Na klar! Du hast den Gesamtsieg der 3.
Etappe des Springturniers gewonnen, da bekommst du auf jeden Fall einen
Preis!". Also hieß es abwarten und Tee trinken und das Warten hat sich
schließlich auch gelohnt.

Ich kann
jetzt ein Riesenpferdchen mein Eigen nennen. Es ist fast so groß und vor
allem so schwer wie mein Patrick. Ich bin mir noch nicht sicher, wie ich
die 6kg extra jetzt nach Hause bekommen soll. Ich hoffe die
Zollmitarbeiter hier haben ein Herz und lassen mich das Teil mit ins
Flugzeug nehmen!!!

Entschuldigt
diese Fotosession von meiner Trophäe, aber so einen Gewinn erhält man
nicht alle Tage!!!
Mit diesem
Sieg der 3. Etappe des Rankings von Santa Catarina bei der Polícia Militar
de Santa Catarina in São José heimste
ich ganze 11 Punkte in der Rangliste ein und befinde mich nun auf der
Seite von der
Federação Catarinense de Hipismo.
(Wenn ihr unter: www.fch.com.br bei "ultimos
Resultados" und der 3a. Etapa do Ranking - FCH, PMSC São José, selbst
sucht, habt ihr eine schönere Seite.)

Sebastian
war von den Zaungästen des Turniers begeistert. Wenn ihr genau hinschaut,
könnt ihr nach der Mauer ein Ehepaar unter einem Sonnenschirm entdecken,
das es sich auf ihrer Terrasse gemütlich gemacht hat, um sich das
Reitspektakel anzuschauen.
Artur mit seinem Garden
Einen extra
Abschnitt widme ich meinem kleinen neuen Freund Artur. Als ich am ersten
Turniertag ganz allein über das Gelände der Polícia Militar schlenderte,
traf ich auf ihn. Er stolzierte wie ein Großer über die Plätze und gab mir
viele wichtige Tipps für meinen Ritt. Er erzählte mir was die besten
Pferde und Reiter sind. Mit seinen sieben Jahren kann er schon auf eine
dreijährige Reiterfahrung bauen. Springen darf er allerdings erst seit
kurzem.

Er gab sein
Bestes, leider reichte es dieses Wochenende noch nicht für einen Sieg aus,
aber eine gute Figur auf Garden hat er auf jeden Fall gemacht.

Diese Woche
erfuhr ich, dass seine Eltern den lustigen Garden für ihn gekauft haben.
Jetzt kann er sich einen stolzen Pferdebesitzer nennen.

Am Samstag,
den 04.06.2005 werde ich ihn nach Blumenau zum campoenato begleiten und
Daumen drücken. Ich werde nicht noch einmal mit reiten - schließlich kann
ich den Brasilianern nicht alle Preise wegschnappen und Platz im Koffer
hab ich auch nicht mehr! Nein, nein, keine Angst so eingebildet bin ich
durch meinen einen Sieg noch nicht geworden;o). Ich hätte gern
teilgenommen, aber am 05.06.2005 wird Brasilien gegen Paraguay spielen,
also werden wir nach Porto Alegre fahren um uns das Spiel anzuschauen.
Wenn man schon mal die Gelegenheit hat ein Länderspiel live zu sehen, dann
sollte man sie auch nutzen nicht?
Bis bald
vera
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