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Hipismo

Voll abgehoben und abgeräumt!!!

14. und 15.05.2005

 

 

Seit August 2004 reite ich in der Hípica (=Reitschule) Catarinense. Mein Professor Elinho fragte mich seit dem jeden Monat, ob ich nicht mal ein Turnier mitreiten möchte. Ich sagte dreimal zu und dreimal wieder ab, denn Rio de Janeiro, Foz do Iguaçu und São Paulo wollten besucht werden und reiten kann ich ja schließlich auch daheim.

 

 

Jetzt war es mal wieder so weit. Er stellte mir die rhetorische Frage, aber diesmal gab ich ihm mein Wort: "Ich reite mit!". Er schaute mich noch etwas ungläubig an, als ich wissen wollte, was ich alles an Ausrüstung brauchen würde um teilnehmen zu können. Dann freundete er sich langsam mit dem Gedanken an, dass ich es diesmal ernst gemeint hatte und keinen Rückzieher machen würde.

Nun war es nur so, dass er mich erst anderthalb Wochen vor dem Turnier fragen konnte, da ich vorher durch meinen beim Surfen geprellten Fuß fehlte. Jetzt stand noch die Frage im Raum, wann wir trainieren, die war leicht zu beantworten, denn ich hatte nur noch ein Mal Unterricht bis dahin. Als ich dann allerdings zum "Training" kam standen auf dem riesigen Springplatz nur noch zwei Sprünge. Was war passiert? Wegen einer Veranstaltung am Wochenende hatte sich die Hípica Sprünge von auswärts geliehen und die wurden an diesem Tag gerade abgebaut. So versuchte ich also mein bestes die beiden Sprünge kurz vor Ende der Stunde zu nutzen. Mir wurde Angst und Bange als mein Pferdchen immer mal die Handbremse einlegte und den Sprung verweigerte, ansonsten lief es ganz gut. Nach der Stunde sagte mir Elinho, also wenn ich es schaffe Bonita zum Springen zu bewegen, dann würde ich auch mit allen anderen Pferd zurechtkommen. Die Stute Bonita springt wohl sonst nicht! - und das sagt er mir danach!!!

 

Es wurde ernst, ein Wochenende im Zeichen des Pferdesports - also ganz nach dem Motto auf dem Rücken der Pferde liegt das Glück dieser Erde. Samstag morgen um 7.30Uhr konnte ich mir den ersten Eindruck vom Gelände der Hípca der Polícia Militar in São José, dem Vorort von Florianópolis, machen. Ich vergass bis jetzt zu erwähnen, dass der Veranstalter des Turniers die Polícia Militar, also die berittene Militär Polizei, war. Was es doppelt so spannend machte, zumindest für Sebastian. Die Stallungen und die Reitplätze waren mehr als gut gepflegt. Beste Ausgangsbedingungen für ein campeonato de hipismo (Springturnier) der Spitzenklasse.

 

Mit 20-25 anderen war ich für die Sprunghöhe 80cm gemeldet. Samstag und Sonntag mussten wir jeweils einen Parcours von 8 Sprüngen bestreiten, an welchen am Sonntag gleich der "Stechparcours" von Sprung 9 bis 14 gekoppelt war. Wer beide Tage keine Fehler durch Abwurf einer Stange oder Verweigerung auf seinem Konto hatte, nahm automatisch am Stechen teil. Das hieß nach Sprung 8 einfach weiter reiten und die folgenden 5 Sprünge in der schnellst möglichen Zeit absolvieren.

 

8.30Uhr wurde jeweils zur Parcoursbesichtigung gerufen und alle, ob groß oder klein staksten über dem Platz immer dem Reitlehrer hinterher, der die besten Tipps für einen jeden bereit hielt. Am Samstag waren 8 Sprünge zu bewältigen, davon eine Kombination. Die Bahn war sehr einfach, fast nur Diagonalen mit anschließenden Handwechseln, damit die Soldaten auch eine Chance gegen die ganzen jungen Hüpfer hatten.

Für den Burschen mit dem Schimmel hier lief es am ersten Tag schon mal nicht so gut. Nach dem ersten Sprung haute sein Pferdchen die Notbremse rein und verweigerte 2mal, so dass der stolze Soldat fürs erste ausscheiden musste. Am Sonntag lief es dann schon besser, aber das Stechen durfte er wegen des schlechten Abschneidens am Vortag nicht reiten.

 

 

Ich startete am Samstag als Nummer 17. 5-10 Minuten bevor es in den Parcours ging, durfte ich mich mit meinem überlangen und riesigen Patrick (Hiermit sei auch gleich sein artfremder Namensfetter gegrüßt!), den mein Reitlehrer für mich festgelegt hatte, vertraut machen. Das manövrieren dieses "Ungetüms" fiel mir etwas schwer und nahm meine ganze Konzentration in Anspruch. Ich sah schwarz die Kurven bewältigen zu können. Auf dem Abreiteplatz testete ich zweimal seine Start-, Flug- und Landeeigenschaften und beurteilte sie für gut. Allerdings gelang es mir nicht meinen Sitz unter Kontrolle zu bringen. Den Parcours absolvierte ich ohne Fehler, in einer miesen Haltung und einer für mich ewig vorkommenden Zeit. Von ferne hörte ich meinen Reitlehrer immer "Gaaalopp!!! Gaaalopp!!!" brüllen, aber die 500 kg unter mir bekam ich nicht so richtig in Gang.

 

 Angela und Delmo sind kurz vor meinem Start von Sebastian eingeflogen wurden und sahen sich das ganze Geschehen mit an. Sie zollten mir Respekt mich freiwillig auf so einen Riesengaul zu setzten. Leider war ich mit meiner Leistung ganz und gar nicht zufrieden. So machten wir uns nach der Teilnehmermedaillenübergabe schnell aus dem Staub.

   

 

 

 

Am Sonntag war 8.30Uhr wieder Parcoursbesichtigung angesagt. Diesmal war er richtig geschickt gestaltet worden. Eine Herausforderung für jeden Jungreiter und Soldaten. Von der Rangliste konnte ich entnehmen, dass ich am Vortag doch gar nicht so schlecht abgeschnitten hatte - Platz 6. Hätte ich nie gedacht! Mir ging gleich durch den Kopf: "Na, das kannste aber besser und vor allem schneller!", und diesen Gedanken setzte ich dann auch in die Tat um.

 

Ich durfte mir den Patrick selbst abreiten, konnte mich also schon etwas mehr mit ihm anfreunden. Als es in den Parcours ging, war es wirklich klasse. Ich konnte mich voll auf Sitz und Pferd konzentrieren und war nicht all zu nervös. Ich hörte wie mich der Fanblock von der Reitschule, sowie Sebastian und Wagner, zwischen den Sprüngen anfeuerten und da viel es mir leicht meinem Pferdchen Beine zu machen. Es war fantastisch!!!

Nach Sprung 8 ertönte keine Klingel. Das war mein Zeichen nun alles zu geben. Automatisch befand ich mich jetzt im Stechen, somit ging es gleich mit Sprung 9 weiter. Ich setzte alles daran die letzten 5 Sprünge auf dem kürzesten Weg, also so schnell wie möglich und natürlich ohne Fehler zu meistern. Als nach dem Zielspurt eine Fanfarenmusik ertönte, wusste ich, dass ich nicht so schlecht gewesen sein konnte. Dass ich damit vorerst den ersten Platz inne hatte, wusste ich nicht. Erst als der Sprecher nach 5 weiteren Startern die vorläufige Rangfolge ansagte. Vergewisserte ich mich meiner Führung. Nun fing für Wagner, Sebastian und natürlich für mich das Bibbern an.

 

8 Starter standen noch aus, aber keiner schaffte es meine Zeit zu toppen. Nun stand die Siegerin fest.

 

 

 

Direkt nach der Prüfung gab es für alle eine Teilnehmermedaille. Mir wurde diese von Wagner meinem Freund aus Salvador, Bahia, übergeben.

 

 

 

Dann begann die nächste Prüfung mit 90 cm Sprunghöhe, an der meine Freundin Isabel, kurz Belinha, teilnahm .

 

 

Da zu Hause die Ausarbeitung von 2 Vorträgen für die nächste Woche auf mich warteten, wollten wir fast schon nach Hause fahren. Ich fragte, allerdings noch mal meinen Reitlehrer, ob es noch eine Siegerehrung geben würde. Er schaute mich komisch an und sagte, "Na klar! Du hast den Gesamtsieg der 3. Etappe des Springturniers gewonnen, da bekommst du auf jeden Fall einen Preis!". Also hieß es abwarten und Tee trinken und das Warten hat sich schließlich auch gelohnt.

 

 

Ich kann jetzt ein Riesenpferdchen mein Eigen nennen. Es ist fast so groß und vor allem so schwer wie mein Patrick. Ich bin mir noch nicht sicher, wie ich die 6kg extra jetzt nach Hause bekommen soll. Ich hoffe die Zollmitarbeiter hier haben ein Herz und lassen mich das Teil mit ins Flugzeug nehmen!!!

 

Entschuldigt diese Fotosession von meiner Trophäe, aber so einen Gewinn erhält man nicht alle Tage!!!

 

Mit diesem Sieg der 3. Etappe des Rankings von Santa Catarina bei der Polícia Militar de Santa Catarina in São José heimste ich ganze 11 Punkte in der Rangliste ein und befinde mich nun auf der Seite von der Federação Catarinense de Hipismo. (Wenn ihr unter: www.fch.com.br bei "ultimos Resultados" und der 3a. Etapa do Ranking - FCH, PMSC São José, selbst sucht, habt ihr eine schönere Seite.)

 

Sebastian war von den Zaungästen des Turniers begeistert. Wenn ihr genau hinschaut, könnt ihr nach der Mauer ein Ehepaar unter einem Sonnenschirm entdecken, das es sich auf ihrer Terrasse gemütlich gemacht hat, um sich das Reitspektakel anzuschauen.

 

 

 

 

 

Artur mit seinem Garden

Einen extra Abschnitt widme ich meinem kleinen neuen Freund Artur. Als ich am ersten Turniertag ganz allein über das Gelände der Polícia Militar schlenderte, traf ich auf ihn. Er stolzierte wie ein Großer über die Plätze und gab mir viele wichtige Tipps für meinen Ritt. Er erzählte mir was die besten Pferde und Reiter sind. Mit seinen sieben Jahren kann er schon auf eine dreijährige Reiterfahrung bauen. Springen darf er allerdings erst seit kurzem.

 

Er gab sein Bestes, leider reichte es dieses Wochenende noch nicht für einen Sieg aus, aber eine gute Figur auf Garden hat er auf jeden Fall gemacht.

 

 

Diese Woche erfuhr ich, dass seine Eltern den lustigen Garden für ihn gekauft haben. Jetzt kann er sich einen stolzen Pferdebesitzer nennen.

 

Am Samstag, den 04.06.2005 werde ich ihn nach Blumenau zum campoenato begleiten und Daumen drücken. Ich werde nicht noch einmal mit reiten - schließlich kann ich den Brasilianern nicht alle Preise wegschnappen und Platz im Koffer hab ich auch nicht mehr! Nein, nein, keine Angst so eingebildet bin ich durch meinen einen Sieg noch nicht geworden;o). Ich hätte gern teilgenommen, aber am 05.06.2005 wird Brasilien gegen Paraguay spielen, also werden wir nach Porto Alegre fahren um uns das Spiel anzuschauen. Wenn man schon mal die Gelegenheit hat ein Länderspiel live zu sehen, dann sollte man sie auch nutzen nicht?

 

Bis bald

 

vera

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